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Neujahrsvorsätze: Warum es sich lohnt, sie neu zu fassen

Viele haben ihre Neujahrsvorsätze bereits aufgegeben. Doch die Psychologie zeigt, dass es sich lohnt, sie noch einmal aufzugreifen und neu zu beleben.

vonTim Richter17. Juni 20262 Min Lesezeit

In einer kleinen Küche, die leicht nach verbranntem Toast riecht, sitzt ein Mann mit zerzausten Haaren und blickt auf einen Zettel, auf dem seine Neujahrsvorsätze noch frisch geschrieben sind. „Mehr Sport, weniger Schokolade, mehr Zeit für die Familie“, steht dort in krakeliger Schrift. Es ist jetzt Ende Januar. Der Zettel liegt verwaist in einer Ecke – in der Ferne ist das Flimmern des Fernsehers zu hören, der einen Film über Selbstoptimierung und Fitness zeigt. Ein wenig frustrierend, diese Diskrepanz zwischen den Ambitionen und der Realität des Lebens, oder?

Wir alle haben sie gefasst, diese hehren Vorsätze, oft im Übermut nach den Feiertagen. Die Psychologie nennt das die „Neujahrseuphorie“. Nach den süßen Verlockungen von Stollen und Glühwein erscheint es nur selbstverständlich, dass man sich in der ersten Januarwoche vornimmt, die Welt zu verändern. Doch dann kommt der Alltag. Und der Alltag ist nicht nachsichtig. Die Fitnessstudios sind bereits wieder leerer, die Schokoladenvorräte jedoch, nun ja, erfreuen sich einer momentanen Renaissance.

Die psychologischen Mechanismen

Die Psychologie hat einige Erklärungen für dieses Phänomen. Eine davon ist das „Kognitive Dissonanz“-Prinzip: Wir streben danach, unsere Überzeugungen und Handlungen in Einklang zu bringen. Wenn wir uns also für mehr Sport entscheiden, dieser aber hinter der Couch und nicht im Fitnessstudio stattfindet, erzeugt das ein ungutes Gefühl. Um diese Dissonanz zu reduzieren, verleiten wir uns gerne zu rationalen Ausreden: „Ich habe gerade viel zu tun“ oder „Das Wetter ist aber auch ungemütlich“.

Aber hier wird der wahre Knackpunkt deutlich: Irgendwo wird der Funke der Motivation zusammen mit der Entschlossenheit begraben. Wer jetzt jedoch die Vorsätze erneut aufgreift, hat die Chance, sie ohne den Druck von Neujahr zu begegnen. Anstatt sie als Verpflichtung zu sehen, könnte man sie als Möglichkeit neu interpretieren.

Ein neuer Ansatz

Psychologen schlagen vor, dass man die ursprünglichen Vorsätze überarbeiten sollte. Stellen Sie den Zettel ins Regal zurück, aber fügen Sie eine Prise Beliebigkeit hinzu. Weniger Druck, mehr Entdeckergeist. Anstatt sich zu sagen: „Ich MUSS dreimal die Woche joggen!“, könnte die Formel lauten: „Ich WILL dreimal die Woche versuchen, joggen zu gehen.“ Diese kleine Umformulierung könnte Wunder wirken.

Natürlich könnten Sie auch Weiteres tun, wie kleine Belohnungen einführen oder den Vorsatz mit jemandem teilen. Denn warum sollte die Reise zur Selbstverbesserung nicht auch ein wenig Geselligkeit bieten?

Ein offenes Ende

Also, während der Mann in der Küche weiterhin über seinen Zettel nachdenkt und das Schnurren des Fernsehers leise hinter ihm verhallt, kann man sich fragen: Warum nicht den Zettel wieder zur Hand nehmen? Die psychologischen Mechanismen, die zu seinem vorzeitigen Verfall geführt haben, sind nicht unveränderlich – sie sind formbar. Und das ist vielleicht die größte Entdeckung von allen: Es ist nie zu spät, seine Neujahrsvorsätze erneut zu beleben und sie mit einer neuen Perspektive zu betrachten. Vielleicht wird das Jahr ja doch noch das Jahr, in dem die Neujahrsvorsätze nicht nur schöne Worte bleiben.

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